WLZ-FZ-Gesundheitsserie
in Zusammenarbeit mit den Ärztenetzen:
Thema Brustkrebs/ August 2004 von Dr.
med. Barbara Freitag, Ärztin für Innere
Medizin in Korbach und Frau Sigrid Fleischer, Ärztin
für Allgemeinmedizin in Waldeck-Sachsenhausen -
Mitglieder im Ärztenetz Waldecker Land
Dafür
muss man aber etwas über den Krebs, seine
Entstehung, Möglichkeiten zur Früherkennung
und der Behandlung wissen. Erst das Wissen nimmt
die Angst und lässt die Frauen aufmerksamer
auf ihren Körper achten.
Nicht jeder Knoten in der Brust bedeutet Krebs! 8
von 10 gefundenen Knoten sind gutartig. Trotzdem
ist der Brustkrebs die häufigste Krebsart bei
Frauen, aber auch die am besten untersuchte Tumorart.
Wer bekommt Brustkrebs?
Jede neunte
Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.
Im Verhältnis von 1: 99 sind
auch Männer betroffen. Am häufigsten bekommen
Frauen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren Brustkrebs.
Es gibt so genannte Risikopatientinnen. Dazu gehören
diejenigen, in deren Familie Großmutter, Mutter
oder Schwester bereits an Brustkrebs leiden. Weiterhin
Frauen, die keine oder sehr spät Kinder bekommen
haben oder nicht stillen konnten. Auch die Einnahme
von Hormonen sowie Rauchen und Alkohol sollen sich
negativ auswirken. Ob zusätzlich auch Viren
für die Entstehung verantwortlich sind, wie
man es von anderen Krebsarten z.B. dem Krebs am Muttermund
kennt, ist noch umstritten. All dies bedeutet nicht,
dass eine Frau, auf die ein oder mehrere Punkte zutreffen,
zwangsläufig an Brustkrebs erkranken wird. Sie
sollte nur mit ihrem Körper sorgfältiger
umgehen und regelmäßige Vorsorgen und
Selbstuntersuchungen vornehmen, um einen Knoten früh
zu erkennen.
Innerhalb der Brust gibt es eine unterschiedlich
häufige Verteilung der Knoten
(s. Abbildung „ Brustkrebs proz. Verteilung“).

Die Heilungschancen
bei Brustkrebs hängen nicht
nur von der frühen Erkennung, sondern auch von
der Krebsart, dem Befall der Lymphknoten, der Streuung
im Körper und der Hormonempfindlichkeit des
Tumors ab. Zwei Tumorarten überwiegen in der
Brust: Mit 80% das invasiv ductale, mit 10-14% das
invasiv lobuläre Karzinom. Dazu muss man sich
die Brustdüse wie einen Baum mit vielen Ästen,
Zweigen und Blättern vorstellen. Der „Ductus“ sind
die Äste und Zweige, der „ Lobulus“ sind
die Blätter. Der Begriff „invasiv“ bedeutet,
dass der Krebs seine natürlichen Grenzen durchbricht
und in das umgebende Gewebe eindringt. Die Streuung
in den Körper (Metastasen) findet zunächst über
Lymphbahnen in die Lymphknoten meist der Achselhöhle,
und später über die Blutbahnen in die Organe
des Körpers statt. Betroffen sind hiervon besonders
die Wirbelsäule (70%), die Leber (60%) und die
Lunge (50%). Bei Tumoren über 1 cm Größe
findet in 50 – 70 % eine Streuung in die Lymphknoten
statt. Daher ist es so wichtig den Brustkrebs früh
zu entdecken.
Früherkennung
Welche
zuverlässigen Maßnahmen zur Früherkennung
gibt es?
Eine
der Wichtigsten liegt im wahrsten Sinne des Wortes
in der Hand einer jeden Frau: die Selbstuntersuchung
der Brust. [s. Abb. Selbstuntersuchung vergrößern durch Klicken] Das monatliche Abtasten ist eine
einfache und relativ
treffsichere
Methode. Immerhin werden nahezu 80% aller bösartigen
Knoten von den Betroffenen selbst entdeckt. Bei regelmäßiger
Untersuchung lassen sich Knoten von Haselnussgröße
tasten.
Brustveränderungen, die abgeklärt werden
müssen:

- Knoten in der Brust
- periodenunabhängige Verhärtungen oder
Schmerzen
- neu aufgetretene Unterschiede in der Größe
und Form der Brust
- Veränderungen der Brustwarze wie Einziehungen
oder Flüssigkeitsaustritt
- Hautveränderungen über der Brust
- Schwellung der Lymphknoten unter der Achsel
Es gibt bundesweit Initiativen, die für diese
selbstverantwortliche Früherkennung werben, damit Frauen zu „Expertinnen ihrer eigenen Brust“ werden.
Dazu nutzt man auch moderne Medien wie das Internet. Ein gutes Beispiel
ist die Seite www-sicher-fuehlen.de.
Noch effektiver für den Lernerfolg und die Motivation ist die persönliche
Anleitung zur Selbstuntersuchung. In Hessen wurde im Jahr 2001 vom Landfrauenverband
in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium das Projekt „ Hauptsache
gesund - Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust “ ins Leben gerufen.
Seitdem haben allein im Landfrauenbezirk Waldeck über 600 Frauen an Kursen
teilgenommen. Unter Anleitung einer erfahrenen Ärztin haben sie an Silikon-Modellen
das Abtasten der Brust und das Erfühlen von Knoten erlernt. Diese teuren
und hochwertigen Modelle unterliegen allerdings einem gewissen Verschleiß.
Um aus dieser Initiative ein dauerhaftes Angebot für alle Frauen machen
zu können, bedarf es einer kontinuierlichen finanziellen Unterstützung.
Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Krankenkassen ihre Programme
um solche Angebote erweitern würden, und der Gesetzgeber diese in den
Katalog der Präventionsmaßnahmen mit aufnehmen würde.
Bereits aufgenommen wurde eine sehr viel aufwendigere Früherkennungsmethode
: das Mammographie-Screening. Die Mammographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung
der weiblichen Brust. Mitte 2002 hatte der Bundestag beschlossen, diese Untersuchung
allen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren anzubieten. Die Mammographie ist zweifelsohne
eine wichtige hilfreiche Methode zur Abklärung von Veränderungen
der Brust wie Knoten, periodenunabhängigen Schmerzen, Brustwarzen- und
Brusthautveränderungen.
Ob allerdings eine flächendeckend für alle Frauen angebotene Mammographie-Vorsorgeuntersuchung
, egal ob Beschwerden oder Risikofaktoren bestehen oder nicht, dazu führt,
das weniger Frauen an Brustkrebs versterben, ist wissenschaftlich noch nicht
endgültig geklärt.
Die Entscheidung über die Teilnahme am Mammographie-Screening muss daher
jede Frau wieder einmal persönlich treffen, maßgeblich beeinflusst
vom eigenen Sicherheitsbedürfnis und Körpergefühl. Auf einer
Internetseite der Universität Hamburg kann die eine oder andere Frau
Hilfen zu dieser Entscheidung finden: www.mammographie-screening-online.de.
Angesichts mancher offenen Fragen zu sinnvollen Früherkennungsmethoden
sollten Frauen auf alle Fälle die Möglichkeiten nutzen, die schon
vorhanden sind und sich bewährt haben: Die regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchung
bei dem Arzt oder der Ärztin ihres Vertrauens.
Therapiemöglichkeiten
Wenn ein
Knoten entdeckt wird, muss man Sicherheit über
Gut- oder Bösartigkeit bekommen. Wenn der Knoten
in den Voruntersuchungen eher wie eine Zyste (wassergefüllter
Hohlraum) aussieht, macht man meist eine Punktion
unter Ultraschallkontrolle. Die gewonnenen Zellen
werden unter dem Mikroskop von dem Pathologen auf
Bösartigkeit untersucht. Findet er nichts Verdächtiges,
beobachtet man die Zyste engmaschig durch Ultraschalluntersuchungen.
Bei festen Knoten sollte man diese entfernen und
ebenfalls unter dem Mikroskop untersuchen. Ist der
Knoten gutartig, ist die Behandlung mit der „Tumorentfernung“ abgeschlossen.
Bei Bösartigkeit muss der Tumor und ein Sicherheitssaum
von ca. 2 cm Gewebe entfernt werden. Das Tumormaterial
wird zusätzlich auf Hormonrezeptoren untersucht.
Dies ist für die spätere Therapie wichtig.
Heute versucht man immer eine brusterhaltende Operation
durchzuführen. Dies ist aus kosmetischen und
psychologischen Gründen wichtig. Man weiß inzwischen,
dass eine radikale Operation mit Entfernung der gesamten
Brust keine besseren Heilungschancen hat als die
brusterhaltende Operation. Während der Operation
werden auch Achsellymphknoten entfernt. Dies kann
neuerdings in einigen Zentren sehr vorsichtig und
gezielt geschehen, indem die befallenen Lymphknoten
intraoperativ mittels radioaktiver Substanzen markiert
werden. So muss man nur die verdächtigen Lymphknoten
entfernen und vermindert damit deutlich das Risiko,
dass später der Arm der betroffenen Seite zu
Schwellungen neigt (Lymphödem). Wenn die Brust
erhalten bleibt, sollte immer eine Nachbestrahlung
erfolgen. Ob zusätzlich noch eine Chemotherapie
notwendig ist, hängt von der Art und Größe
des Tumors und dem Befall der Lymphknoten ab. Auch
eine längere dauernde Behandlung mit Antihormontabletten
ergibt sich erst nach den genauen Untersuchungen
des Pathologen. Umstritten ist inzwischen die Zusatztherapie
mit Mistelpräparaten: Befürworter sagen,
dass die körpereigene Abwehr gegen den Krebs
dadurch gestärkt wird; Gegner sagen, dass nicht
nur Abwehrkräfte zum Wachstum angeregt werden,
sondern auch mögliche im Körper verstreute
Tumorzellen. Wichtig ist sicher, dass jede Frau durch
ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, ein wenig
Sport, Vermeidung von Stress und eine positive Lebenseinstellung
sehr viel selber zur Heilung beitragen kann. Alternativmedizinische
Therapien können in Erwägung gezogen werden,
wenn die Frau von deren Heilerfolg überzeugt
ist.
Leben mit der Diagnose Brustkrebs
Es gibt
Ereignisse im Leben eines Menschen, die das bisherige
Lebensgefühl radikal ändern.
Dazu gehört der Moment, in dem einem die Diagnose
Krebs mitgeteilt wird. Wir alle haben Angst, dass
uns so etwas widerfährt. Um unbeschwert leben
zu können, verdrängen wir diese Gedanken.
Das ist auch gut so, dennoch bleibt die Ahnung um
ein „statistisches Risiko“ eines Schicksalsschlags,
sei es ein Unfall, der plötzliche Tod eines
uns nahe stehenden Menschen oder eben die Diagnose
Krebserkrankung des eigenen Körpers. Niemand
weiß, wie er in dem Augenblick reagieren wird.
Gewiss ist, dass er einen Weg finden und gehen wird,
und zwar auf seine eigene sehr persönliche Art
und Weise.
Viele Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, berichten,
dass sie nach einer ersten vorübergehenden Phase
des Schocks ein ihnen bisher unbekannt starkes Lebensgefühl
entwickelt haben. Sie waren eher in der Lage, Wichtiges
von Unwichtigem zu unterscheiden. Nicht selten kamen
auch bisher verborgen gebliebene Neigungen und Interessen
zum Vorschein.
Dennoch ist es schwer und anstrengend, sich aktiv
mit seiner eigenen Krebserkrankung auseinanderzusetzen.
An erster Stelle steht die Erkenntnis, dass Krebs
heilbar ist, denn eine positive Lebenseinstellung
setzt ungeahnte Kräfte frei.
Unter der erforderlichen Therapie der Krebserkrankung
können aber die körperlichen und seelischen
Kräfte leiden. Hinzu kommt die Angst vor der
Zukunft. Es ist äußerst hilfreich, sich
ein gewisses „Werkzeug“ zurechtzulegen.
Dazu können gehören : Gefühle nicht
unterdrücken, sondern Tränen, Trauer, Wut
und Trotz zulassen; sprechen über das, was uns
bewegt; auf Menschen zugehen, in deren Gesellschaft
wir uns wohl fühlen; spüren, was uns Freude
macht und es so oft wie möglich tun; den eigenen
Körper, so wie er ist annehmen, ihn liebevoll
pflegen.
Wenn man in einer Partnerschaft lebt, ist es für
beide wichtig zu wissen, dass eine krankheitsbedingte
deprimierte Stimmung die Lust auf Liebe nehmen kann.
Der Partner zieht sich aus Rücksicht darauf
zurück und hinterlässt bei der Frau wiederum
das Gefühl, nicht mehr begehrt zu sein. Daraus
können Beziehungskrisen erwachsen. Sie lassen
sich verhindern, indem man die Sprachlosigkeit überwindet.
In schwierigen Zeiten geben Zärtlichkeiten,
körperliche Nähe und Wärme ein Gefühl
der Geborgenheit, das allen Beteiligten gut tut.
Bei aller Liebe und Fürsorge innerhalb der Familie
bedarf es oft der Unterstützung und Beratung
von außen. Neben einer kompetenten medizinischen
Betreuung und Versorgung ist der Austausch in Selbsthilfegruppen
ein weiteres Angebot für die Betroffenen.
Frauenselbsthilfe nach Krebs
In Korbach existiert seit vielen Jahren eine engagierte
Gruppe, die nicht nur an Brustkrebs erkrankten Frauen
offen steht. Alle Interessierten und auch Angehörige
sind willkommen. Es werden keine Beiträge erhoben.
Die Korbacher Selbsthilfegruppe ist angeschlossen
an den bundesweiten Verein Frauenselbsthilfe nach
Krebs, der wiederum unter der Schirmherrschaft der
Deutschen Krebshilfe steht.
Die Treffen finden jeden 1. Dienstag im Monat um
14.30 Uhr im Gemeinderaum der Kilianskirche statt.
Nähere Information erhältlich von Frau
Christa Ohm Tel. 05631/64632 und Frau Ursula Nordmeier
Tel. 05631/2895.